INTROmyself NACHTSICHTEN #03

will nicht darüber nachdenken – wach-
höchstens im Traum – wenn er mich
zwingt.

Ich denke das hat jeder –
einen Traum in dem jemandem –
aus der
Familie
etwas zustößt- jemand zu Schaden kommt- krank wird

stirbt

JEMAND

das hört sich so weit weg an.

Natürlich sind :Mama Papa Bruder und Schwester gemeint.
Ich wache schweißgebadet auf und MUSS anrufen-
am nächsten Tag-
ob denn wirklich alles gut ist.
Ist es immer.
Alles gut
– Alle da.

An dem Tag an dem mein Vater gestorben ist
und er mit Blumen übersät aufgebahrt da lag –
sah
es so aus als wäre diese Bild
aus einem bösen Albtraum entsprungen.

Ein Albraum ist eine lahme Trocken-Übung des Schmerzes.
Im Leben.

Ein laffer Abklatsch – doch war es vielleicht gut –
diese kleine Fingerübung im Traum schon ab und an
zu machen-
wer weiß ob man nicht sonst
zersprungen wäre
in 10000 Stücke

S., 41

Jungsrythmen-Reaktionen

Leute direkt nach einem Stück überfallen und versuchen ihre Emotion festzuhalten? Klingt anstrengend für das Publikum. Da ich aber keine Kosten und Mühe scheue, um Menschen auf die Nerven zu gehen, haben wir hier ein paar Publikumsreaktionen direkt in den ersten paar Minuten nach dem Stück Jungsrythmen, welches im Neuen Schauspiel aufgeführt wurde.

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Und jetzt studiert diese Gesichter. Sieht interessant aus? Eben.

Louise Kenn

Louiseschreibtfueralle.com

INTROmyself – NACHTSICHTEN #02

Und zwar einer meiner beiden Kindheitsalbträume. Der Spätere von beiden, den hatte ich, bis ich ca. 12 Jahre alt war: Ich bin in meinem Zimmer, es ist Nachts oder Abend und ich möchte noch einmal kurz ins Bad. Neben meinem Zimmer ist ein langer Flur, der zu dem Zimmer meiner Schwester führt (ich hatte ein Durchgangszimmer). Als ich auf diesem Flur bin, öffnet sich ganz langsam und leise die Tür ihres Zimmers. Ich möchte wegrennen, kann mich aber nicht bewegen.

Aus dem Spalt zwischen Tür und Rahmen kriecht eine lange, schmale, weiße Hand mit gelblichen Fingernägeln. Mein Traum-Ich ist immer noch in seiner starre gefangen und kann sich nicht bewegen.
Als die Tür vollständig offen ist, sehe ich den restlichen Körper. Es ist eine Art Dracula. Eben der, von dem meine Schwester ein gemaltes Bild in ihrem Zimmer hängen hat.
Eigentlich ist es nur eine Büste, mit einem bleichen eiförmigen Kopf mit spitzen Ohren und blutunterlaufenen Augen. Trotzdem habe ich im Traum furchtbare Angst davor, möchte wegrennen, aber kann nicht.
Der Körper bewegt sich auf mich zu, langsam und bedrohlich. Im allerletzten Moment bricht meine Starre und ich kann mich losreißen. Als ich die Tür zum Flur aufreiße, ist das eigentlich gegenüber liegende Bad scheinbar meilenweit entfernt. Ich sehe den Lichtschein des Türfensters durch einen Wald von alten staubigen Spinnweben. Um vor dem körperlosen Dracula zu fliehen, kämpfe ich mich durch. Als ich die Tür zum Bad aufmache und hineinstürze schaut mich meine Mutter erstaunt an und fragt mich, warum ich nicht im Bett bin.
Dann bin ich meistens aufgewacht oder in traumlosen Schlaf übergegangen.

E., 20 Jahre

Nachtsichten im Zelt

„Ein Traum von Theaterstück“ möchte ich am liebsten als Überschrift schreiben. Aber das klingt pathetisch und deswegen lasse ich es lieber, obwohl es tatsächlich zutrifft.

Nachtsichten war alles, was man sich vom Theater wünscht. Es fällt mir schwer darüber zu schreiben, man sollte es einfach ganz schnell nochmal aufführen und dann alle Leute, die man kennt, hinschicken.
Ich werde jetzt trotzdem zusammenfassend etwas darüber berichten, und zwar auf die einzige Art und Weise die mir einfällt um zu verbildlichen wie toll es war. Nämlich in klassischer Buzzfeed Manier: Reaction-gifs. Aber sein wir mal ehrlich, im Internet habt ihr sowieso alle die Aufmerksamkeitsspanne eines dreijährigen auf dem Rummelplatz, mehr verkraftet ihr doch sowieso nicht.

Schauplatz Baustelle im Schauspiel Leipzig. In der Mitte des Raumes ist ein Tipi aus bunten Stoffen aufgebaut, ein kleineres Tipi leuchtet verspielt in der Ecke. Im großen Tipi, der Bühne, ist der Boden voller Teppiche, das Licht leuchtet in verschiedenen Farben an die Zeltwände, an die Decke wirft ein Beamer faszinierende visuelle Spielereien, Stühle stehen wie wahllos im Raum umher. Beim Eintreten bekommt jeder einen Kakao. Und alle so:

Das Stück beginnt, die Musik der Djane zieht einen in den Bann, die drei Schauspieler überzeugen schon nach den ersten Sätzen. Einer erzählt einen Traum, die anderen beiden analysieren ihn. Dabei wird sowohl Erzählung als auch Analyse des Traumes klischeehaft ins Lächerliche gezogen, und ist gleichzeitig dennoch als ernsthafte Thematik erkennbar. Sehr clever.

Alles ist unheimlich schön und spannend. Die Kostüme der Schauspieler, welche alle ein wenig an das Outfit des Lobby Boys in Wes Andersons „Grand Budapest Hotel“ erinnern, sind toll, der Text ist toll, der Inhalt ist toll, und man erwischt sich wie man sich wünscht, dass jetzt irgendwas schief läuft, denn so viel tolles auf einmal kann das Gemüt gar nicht so richtig verarbeiten.

Es läuft nichts schief. Ohne dabei banal zu werden, werden die klassischen Geschehnisse in unseren Träumen thematisiert. Nackt am falschen Ort zu sein, Hinterfragen des Verhältnisses zu den Eltern, geheime sexuelle Verlangen und auch albtraumhafte Elemente werden eingebaut. Dabei spielt noch das gleichzeitige Suchen nach der Erklärung eines Gefühls im Traum, beziehungsweise das Wiederfinden dieses Gefühls eine zentrale Rolle, dargestellt mit Musik. Das Publikum bleibt gebannt.

 

Und irgendwann, mitten im Stück, ohne Vorwarnung, realisiert man: Wir befinden uns in dem Traum einer der Charaktere. Und während er noch auf der Suche nach seinem Traum ist, träumt er weiter, und alle im Traumzelt sind Teil davon.

 

Und wie es so oft ist bei Träumen, ist man kurz davor die Lösung zu finden, man kann sie fast schon greifen, alles begreifen, verstehen was passiert, aber der Wecker klingelt immer lauter und man muss einfach gehen, die ganze Lösung bleibt einem verwehrt. Und so endet auch das Stück Nachtsichten, der Suchende hört noch die Anfänge der richtigen Musik, die das richtige Gefühl heraufbeschwört, aber leider muss er gehen, aufstehen im echten Leben.

Das war ein sehr gutes Theaterstück. Applaus!

APPLAUS!!!

 

 

Louise Kenn

Louiseschreibtfueralle.com

INTROmyself – NACHTSICHTEN #01

Ich kann mich ziemlich klar erinnern.
Und das, obwohl es schon Jahre zurückliegen muss. Nur ein einziges Mal habe ich das geträumt. Es war ein stiller Traum: Ich stand auf einem Hügel, der dicht mit grünster Wiese bewachsen war. Ich blickte in ein Tal, das lag da vor mir – so… „alle Viere von sich gestreckt“. Ich erinnere mich sehr gut an diese Weite – keine Bäume, keine Berge. Und an die Stille. Vor mir, in diesem Tal, stand eine Ruine. Eine, sich zu mir verirrte Caspar David Friedrich-Ruine. Und ich bewegte mich langsam darauf zu – ohne ihr dabei auch nur einen Schritt näher zu kommen. Bis heute bin ich davon überzeugt, von meinem Tod geträumt zu haben.
A., 21 Jahre