INTROmyself – NACHTSICHTEN #02

Und zwar einer meiner beiden Kindheitsalbträume. Der Spätere von beiden, den hatte ich, bis ich ca. 12 Jahre alt war: Ich bin in meinem Zimmer, es ist Nachts oder Abend und ich möchte noch einmal kurz ins Bad. Neben meinem Zimmer ist ein langer Flur, der zu dem Zimmer meiner Schwester führt (ich hatte ein Durchgangszimmer). Als ich auf diesem Flur bin, öffnet sich ganz langsam und leise die Tür ihres Zimmers. Ich möchte wegrennen, kann mich aber nicht bewegen.

Aus dem Spalt zwischen Tür und Rahmen kriecht eine lange, schmale, weiße Hand mit gelblichen Fingernägeln. Mein Traum-Ich ist immer noch in seiner starre gefangen und kann sich nicht bewegen.
Als die Tür vollständig offen ist, sehe ich den restlichen Körper. Es ist eine Art Dracula. Eben der, von dem meine Schwester ein gemaltes Bild in ihrem Zimmer hängen hat.
Eigentlich ist es nur eine Büste, mit einem bleichen eiförmigen Kopf mit spitzen Ohren und blutunterlaufenen Augen. Trotzdem habe ich im Traum furchtbare Angst davor, möchte wegrennen, aber kann nicht.
Der Körper bewegt sich auf mich zu, langsam und bedrohlich. Im allerletzten Moment bricht meine Starre und ich kann mich losreißen. Als ich die Tür zum Flur aufreiße, ist das eigentlich gegenüber liegende Bad scheinbar meilenweit entfernt. Ich sehe den Lichtschein des Türfensters durch einen Wald von alten staubigen Spinnweben. Um vor dem körperlosen Dracula zu fliehen, kämpfe ich mich durch. Als ich die Tür zum Bad aufmache und hineinstürze schaut mich meine Mutter erstaunt an und fragt mich, warum ich nicht im Bett bin.
Dann bin ich meistens aufgewacht oder in traumlosen Schlaf übergegangen.

E., 20 Jahre

Abendspaziergang durch die Hood

Schlendern, spazieren, lustwandeln, sich herumtreiben, flanieren. Sich die kleinen Unebenheiten im Kopfsteinpflaster ansehen. Etwaige schlecht verfugte Betonplatten mit Blicken tadeln. Nach Regenwürmern suchen, oder nach einem schmucken Löwenzahn. Aber auch nach oben schauen, den restaurierten Stuck an den Häuserfronten bewundern, oder im Himmel nach Wolken Ausschau halten, die aussehen wie Geschlechtsteile. Macht man doch alles viel zu selten. Hat man meistens auch gar keine Zeit und Muße für. Statt auf die Straße zu schauen, glotzen die Meisten lieber in ihre Handfläche. Man muss sich beim Laufen auf dem Laufenden halten, Nachrichten wollen gelesen und kommentiert werden, auf dem Weg zum Friseur, zum Finanzamt oder zum Urologen, Termine, Termine, nichts als Termine. Zeit, mal wieder ins Theater zu gehen, bleibt erst recht nicht. Und wenn man sich doch mal aufrafft, für vierzig Euro ein Billet löst und dem Kadaver etwas Kultur gönnt, ist einem nach vier Stunden Shakespeare der Hintern eingeschlafen. Was auch scheiße ist, denn davon bekommt man Krampfadern und die sehen nicht geil aus.

Beides vereinen müsste man, dann könnte man einfach mal gediegen einen Fuß vor den anderen setzen, und sich dabei noch kulturell verlustieren. Spazieren gehen mit Anleitung, sozusagen. Auch dazu haben sich the good people at intro etwas einfallen lassen: alles was weiß ist schnee führt einen via Kopfhörer einmal rund um den Stannebeinplatz im urigen Neuschönefeld. Die Odyssee beginnt im Projekthaus „krudebude“, in welchem die Fundstücke (Streichholzschachteln, Teile kaputter Fußbälle und viele weitere Schätze) feinsäuberlich etikettiert ausgestellt sind. Meine Begleiterin trage ich in einem MP3-Player mit mir herum. Mehrmals weißt sie mich darauf hin, dass ich mich doch bitte nicht überfahren lassen soll, was ziemlich süß von ihr ist. Sie flüstert von Dingen, die ich mir zu eigen machen soll, die Kiesel auf dem Weg, die Litfaßsäule, die Häuser, die bei genauerer Betrachtung auch Spielzeugkästen sein könnten. Sie führt mich auf die Brücke und zeigt mir die Aussicht auf die Gleislandschaft, die zum Hauptbahnhof vor der untergehenden Sonne führt. Urbane Postkartenromantik, ziemlich schöne sogar, nicht auf Instagram, sondern ungefiltert live.

Das es mitten in Neuschönefeld tatsächlich schöne Felder beziehungsweise Parks gibt, war mir auch noch nicht klar, hätte mich Sabrina, wie ich sie nenne, nicht dorthin geführt. Ich traumwandle durch ein Tor aus verwachsenen Linden und gelange auf eine Lichtung. Ein grillendes Pärchen auf einer Parkbank fragt sich wahrscheinlich, was mein LSD-Ticker mir da angedreht hat, wie ich mich da mit Kopfhörern auf dem Kopf im Kreis drehe und in den Himmel schaue. Dabei folge ich nur Sabrinas Empfehlungen.

Als sich die Expedition dem Ende neigt, stelle ich fest, dass ich tatsächlich kein einziges Mal falsch gelaufen bin. Tauglichkeit für interaktive dramatische Formen: Check! In der „krudebude“ ist man sichtlich erleichtert über meine Rückkehr in wohlbehaltenem Zustand. Wie von Sabrina gewünscht habe ich auch etwas mitgebracht, eine leere Schachtel Zigarillos der Marke „Matrix“ a.k.a „Netto`s Finest“. Das knallige Orange gefällt mir. Ein kleines bisschen wie die Sonne über dem Hauptbahnhof.

 
Kay Schier

Das geht an alle!

Wir wollen Dialog. Mit euch. Mit allen. Teilen, kommen und austauschen. Sonntag, 16 Uhr.

Abschlusskundgebung des INTRO Festivals

Weil es um den Dialog geht. Weil Dialog nicht nur Konsens, sondern auch Streit, Auseinandersetzung, Diskussion, Vermittlung und Widerspruch bedeutet. Weil der Dialog zwischen uns stattfindet: Was ist Dramaturgie, wo findet sie statt? Wie und was lernen wir in Theorie und Praxis? Welche Möglichkeiten der Mitbestimmung haben wir in unserer Ausbildung? Das INTRO FESTIVAL, wir Dramaturgiestudierende aus Leipzig, laden zur Abschlusskundgebung ein.

Wir wollen von unseren Hochschulen gehört werden, den gemeinsamen Dialog vorantreiben und unser Studium aktiv mitgestalten, dass nicht nur unsere Ausbildung, sondern auch unser zukünftiges Berufsleben mitbestimmt.

Die Kundgebung unterteilt sich in drei Punkte:

  • Anmerkungen an die Dramaturgie – Standpunkte, Auffassungen, eigene Grundsätze beleuchten, positives wie negatives verdeutlichen
  • Forderungen an die Dramaturgie – Anliegen, Erwartungen und Utopien auszuformulieren und auch der Versuch, diese gemeinsam herauszufinden
  • Vorschläge für die Dramaturgie – wie können wir Prozesse anstoßen und in Bewegung halten?

Lasst uns gemeinsam gestalten. Ihr alle seid aufgerufen euch zu beteiligen, mit eigenen Wortbeiträgen und  spontanen Diskussionsrunden wollen wir Vorschläge gemeinsam erarbeiten. Also bringt eure Gedanken mit – egal ob schon ausformuliert oder um sie mit anderen zu konkretisieren. Vor Ort wird es neben dem Podium mehrere Tischrunden geben, an denen unterschiedliche Themen in Kurz-Workshops ausgearbeitet werden können.

Theater braucht eine lebensfähige Dramaturgie. Gestalten wir poröse Strukturen zusammen um.

Wann: 16 Uhr, Sonntag, 26.06.2016

Wo: Bosestraße zwischen den Pforten der HMT Leipzig und des Schauspiel Leipzigs

Nachtsichten im Zelt

„Ein Traum von Theaterstück“ möchte ich am liebsten als Überschrift schreiben. Aber das klingt pathetisch und deswegen lasse ich es lieber, obwohl es tatsächlich zutrifft.

Nachtsichten war alles, was man sich vom Theater wünscht. Es fällt mir schwer darüber zu schreiben, man sollte es einfach ganz schnell nochmal aufführen und dann alle Leute, die man kennt, hinschicken.
Ich werde jetzt trotzdem zusammenfassend etwas darüber berichten, und zwar auf die einzige Art und Weise die mir einfällt um zu verbildlichen wie toll es war. Nämlich in klassischer Buzzfeed Manier: Reaction-gifs. Aber sein wir mal ehrlich, im Internet habt ihr sowieso alle die Aufmerksamkeitsspanne eines dreijährigen auf dem Rummelplatz, mehr verkraftet ihr doch sowieso nicht.

Schauplatz Baustelle im Schauspiel Leipzig. In der Mitte des Raumes ist ein Tipi aus bunten Stoffen aufgebaut, ein kleineres Tipi leuchtet verspielt in der Ecke. Im großen Tipi, der Bühne, ist der Boden voller Teppiche, das Licht leuchtet in verschiedenen Farben an die Zeltwände, an die Decke wirft ein Beamer faszinierende visuelle Spielereien, Stühle stehen wie wahllos im Raum umher. Beim Eintreten bekommt jeder einen Kakao. Und alle so:

Das Stück beginnt, die Musik der Djane zieht einen in den Bann, die drei Schauspieler überzeugen schon nach den ersten Sätzen. Einer erzählt einen Traum, die anderen beiden analysieren ihn. Dabei wird sowohl Erzählung als auch Analyse des Traumes klischeehaft ins Lächerliche gezogen, und ist gleichzeitig dennoch als ernsthafte Thematik erkennbar. Sehr clever.

Alles ist unheimlich schön und spannend. Die Kostüme der Schauspieler, welche alle ein wenig an das Outfit des Lobby Boys in Wes Andersons „Grand Budapest Hotel“ erinnern, sind toll, der Text ist toll, der Inhalt ist toll, und man erwischt sich wie man sich wünscht, dass jetzt irgendwas schief läuft, denn so viel tolles auf einmal kann das Gemüt gar nicht so richtig verarbeiten.

Es läuft nichts schief. Ohne dabei banal zu werden, werden die klassischen Geschehnisse in unseren Träumen thematisiert. Nackt am falschen Ort zu sein, Hinterfragen des Verhältnisses zu den Eltern, geheime sexuelle Verlangen und auch albtraumhafte Elemente werden eingebaut. Dabei spielt noch das gleichzeitige Suchen nach der Erklärung eines Gefühls im Traum, beziehungsweise das Wiederfinden dieses Gefühls eine zentrale Rolle, dargestellt mit Musik. Das Publikum bleibt gebannt.

 

Und irgendwann, mitten im Stück, ohne Vorwarnung, realisiert man: Wir befinden uns in dem Traum einer der Charaktere. Und während er noch auf der Suche nach seinem Traum ist, träumt er weiter, und alle im Traumzelt sind Teil davon.

 

Und wie es so oft ist bei Träumen, ist man kurz davor die Lösung zu finden, man kann sie fast schon greifen, alles begreifen, verstehen was passiert, aber der Wecker klingelt immer lauter und man muss einfach gehen, die ganze Lösung bleibt einem verwehrt. Und so endet auch das Stück Nachtsichten, der Suchende hört noch die Anfänge der richtigen Musik, die das richtige Gefühl heraufbeschwört, aber leider muss er gehen, aufstehen im echten Leben.

Das war ein sehr gutes Theaterstück. Applaus!

APPLAUS!!!

 

 

Louise Kenn

Louiseschreibtfueralle.com

EIN SONETT ZUM DLL-ABEND

I proudly present: My first Sonett.
It’s about the DLL-Abend.
That was yesterday.
It’s written in german, by the way.
I’m so good at rhyming.Yeah.


STIPPVISTE – oder: Es gab Bier.

Die Sofas und Stühle im Kerzenschein,
Die Bühne mit Mikros bestückt,
Der technische Durchlauf geglückt
So gegen halb neun trudeln Zuschauer ein.

Vier Texte werden verlesen,
Verfasst von Studiern’den des DLL
(Ich fand sie gut, mal so generell),
Zur Halbzeit gab’s Bier am Tresen.

Die Pause tat gut, die Stimmung war heiter,
Einmal auf Klo und dann ging es weiter.
Es folgte Text drei bis vier.

Von Dramatugen wurden die Autor’n unterstützt
(Was am Ende wohl allen genützt);
Zum Dank gab es Rosen. Und dann wieder Bier.

… Ne Spaß, es gab Sekt.


Hannah Spielvogel

Das LineUp zum ultimativen OUTRO!

outro
Mit dieser überbordenden LineUp zur Party für Körper und Seele verabschiedet sich das INTRO mit einem OUTRO, das sich gewaschen hat!


Trashlagoon [Lenient Tales // Bln]


Koola & Crew [Goldstein // Le]

CRIMÆ [Reich&Schoen Kollektiv // Le]


DJ Cool & DJ Sexy [Le]

und


Flying Moon In Space [Le]
geben sich die Ehre!

Empfangt mit ihnen und uns die Morgendämmerung am 25. Juni 2016 ab 22 Uhr in der Blauen Perle !

 

10 Forderungen an eine Festivaleröffnung

– ein Resümee zum INTRO-Start –

  1. Regen und Sonne ergeben einen schönen Regenbogen. Das hebt die Stimmung, sollte es einmal zu Verzögerungen kommen.
  2. Es gibt Sekt. Für die, die keinen Sekt mögen, gibt es O-Saft.
  3. Die Location muss cool sein. Das IFZ ist cool.
    Etwas zu düster für meinen Geschmack, aber cool.
  4. Technisch geschultes Personal ist in der Lage auch die widerspenstigste Technik in den Griff zu kriegen. Beamer und Boxen sollten von nun an kein Hindernis mehr darstellen.
  5. Die Vorträge sind vielfältig. Sie sollten eine Skala von systemkritisch – systemkonform abdecken; polemisch, sowie wohlwollend sein.
  6. Vertraute Gesichter treffen auf Unbekannte. Fremde Leute lernen sich kennen, tauschen sich aus. Das Publikum soll sich vermischen.
  7. Frau Scholz* muss dabei sein. Ja. Damit sie uns sagt, dass das gut ist, was wir hier machen.
  8. Schauspielstudenten sollten auch dabei sein. Damit sie uns sagen, was besser laufen kann, zwischen unseren Studiengängen.
  9. Wolfram Lotz* kommt immer gut. Wenn er seine 27 Forderungen an das Theater zusammen mit Hannes Becker* vorträgt, ist das sogar noch besser.
  10. Es gibt die Möglichkeit zum Austausch. Draußen. Dazu gibt es wieder Sekt (oder O-Saft) und die Vorfreude, auf das Theaterstück, das im Anschluss kommt.

* Kerstin Scholz: empfängt alle Studierenden im Dittrichring. Verteilt Schlüssel und gute Ratschläge
* Wolfram Lotz: schreibt Theaterstücke und gibt Seminare. Verteilt gute Ratschläge und schrieb 27 Forderungen an das Theater
* Hannes Becker: studiert Literarisches Schreiben in Leipzig. Schrieb 27 Forderungen an das Theater

Hannah Spielvogel

INTRO² – das Line Up steht

intro2Zum Festivalauftakt gibt’s was auf die Ohren! Anreize darauf findet ihr hier.

Kommt alle und feiert mit uns die Nacht des INTROS am 17.06. ab 22. Uhr im IFZ – lass dich einführen!

>> SiD aka Sid Siddsen [3plus1//Hummmpday::Bln]
>>>Beatphrase ( Official ) [INAR::LE]
>>>>André Moritz// moriz [ Yes.no.maybe::Bln]
>>>>>Jacky Oh-Weinhaus [ SchwuZ//GMF::Bln]

Mehr erfahren

Die nächsten Termine

IMG_0562 Ihr findet uns inzwischen nicht nur an zahlreichen Häuserwänden sondern z.B. morgen, Mittwoch, 08. von 11.30 – 13.00 Uhr in der Mensa am Park und Donnerstag, 09. von 11.00 bis 13.00 Uhr im Sonnenhof der HMT am Dittrichring. Wir liefern Infos fürs INTRO, verkaufen Karten und füttern euch ab mit Selbstgebackenem – die Spenden gehen an unser Crowdfunding – damit jeder sein Stück vom Kuchen abbekommt!

Kartenvorverkauf hat gestartet!

FullSizeRender (1)Wir haben die Pforten geöffnet! Heute war der erste Tag des Kartenvorverkaufs. Noch bis Freitag findet ihr uns noch von 11 bis 15 Uhr im Foyer der HMT Leipzig am Dittrichring 21. Hier könnt ihr einen Großteil der Karten fürs Festival ersteigern und vom Team Kompetenz alle Infos fürs INTRO bekommen. Also kommt uns besuchen und sichert euch eure Karten, bevor zu spät ist! Und wenn ihr es nicht zu uns schafft: Bald gehen wir auf Tour und kommen mit unserem Infopoint auch in eure Nähe – wo und wann erfahrt ihr rechtzeitig hier. Karten könnt ihr natürlich auch reservieren, wie das geht, erfahrt ihr hier. Wir informieren, reservieren und organisieren weiter in Vorbereitung auf unser Festival und freuen uns nach wie vor auch über ein paar edle Spender bei unserem noch laufendem Crowdfunding.