INTROPosium – Gina-Lisa, Musicals und Feminismus

An diesem schicksalhaften Freitag finde ich mich pünktlich um 12 Uhr in der Baustelle ein, um dem INTROPosium zu lauschen. Es ist relativ leer. Die meisten wollen bei 30° im Schatten wohl lieber am See rumgammeln und über den Brexit diskutieren. Egal: Mehr kühle Schauspielluft, gut aufbereitete Informationen und knallhart recherchierte Fakten für mich.

Tatsächlich fühle ich mich nach den zwei Vorträgen (getreu dem Intro-Motto) besonders gut in die Thematiken eingeführt. Eigentlich sind Bachelor- und Masterarbeitsverteidigungen selbst für Fachkundige schwer nachvollziehbar, sofern man die Arbeit nicht gelesen hat. Nicht so bei Lisannes Votrag Literally Anything Goes: Über Sexarbeiterinnen im amerikanischen Musicals des 20. Jahrhunderts.  Um zu verstehen, wie sie auf kluge und unterhaltsame Weise von Gina-Lisa Lohfink zu der Analyse dreier Frauenfiguren aus den Musicals Anything Goes, Gypsy und Rent kommt, muss man schon dabei gewesen sein. Dazwischen erfahre ich mehr zu dem kapitalismuskritischen Feminismus Laurie Pennys, darüber wie die Entstehung des Formats Musicals mit der Prohibition zusammenhängt und dass in Deutschland – im Gegensatz zu den USA – Musicals immer noch vorschnell in die reine Unterhaltungsschublade gesteckt werden. Lediglich die Konklusion bleibt schwammig. Bringen die Figuren revolutionäres Potential mit, oder bleiben sie in den ihnen zugeschriebenen Rollenbildern verhaftet? Klar ist nur: Das Musical ist nicht auf den Status der Unterhaltung zu reduzieren! Musicals können politische Themen ansprechen, zeigen und reflektieren. Nur in Bezug auf die Frauenfiguren braucht es im Musical (wie in den meisten Medien) noch ein bisschen Zeit. Folgendes wird trotzdem schon mal hinter die Ohren tätowiert: „Musical is not always entertainment, but always entertaining!“

Anschließend gibt Johannes Nitschke vom Gender Glossar einen guten Überblick über den Stand der Geschlechterforschung, bei dem sogar für die ein oder andere Genderseminarabsolventin[1] noch neue Informationen dabei sein dürften. Durch Fotos der Künstlerin Heather Cassils, bei denen man nicht mehr klar unterschieden kann, ob sie einen Mann oder eine Frau zeigen, wird schnell klar, dass Geschlecht weniger durch biologische Merkmale erkennbar ist, als durch gesellschaftlich konstruierte Zeichen. Abschließend wird  diskutiert und festgestellt wie lustig wikimanni.org ist. Zusammengefasst: Misogynistische Fake-Enzyklopädien sind vom Unterhaltungswert auf jeden Fall die neuen Epic-Fail-Videos. Nach diesen zwei Stunden geballtem Wissen geht es doch zum See. Die Zukunft der EU will schließlich auch noch verhandelt werden.

P.S. Liebe Lisanne, Herzlichen Glückwunsch zu deinem Masterabschluss! Vielleicht nimmst du mich demnächst mit ins Musical? Irgendwie hätte ich da mal wieder Lust drauf…

[1] Diese Artikel gendert übrigens im generischen Femininum.

Maike Gomm

 

Veröffentlicht von

INTRO

Das INTRO aus Performance, Kunst und theatraler Vielfalt! Vom 18. - 26. Juni 2016 in Leipzig.

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