INTROmyself – NACHTSICHTEN #02

Und zwar einer meiner beiden Kindheitsalbträume. Der Spätere von beiden, den hatte ich, bis ich ca. 12 Jahre alt war: Ich bin in meinem Zimmer, es ist Nachts oder Abend und ich möchte noch einmal kurz ins Bad. Neben meinem Zimmer ist ein langer Flur, der zu dem Zimmer meiner Schwester führt (ich hatte ein Durchgangszimmer). Als ich auf diesem Flur bin, öffnet sich ganz langsam und leise die Tür ihres Zimmers. Ich möchte wegrennen, kann mich aber nicht bewegen.

Aus dem Spalt zwischen Tür und Rahmen kriecht eine lange, schmale, weiße Hand mit gelblichen Fingernägeln. Mein Traum-Ich ist immer noch in seiner starre gefangen und kann sich nicht bewegen.
Als die Tür vollständig offen ist, sehe ich den restlichen Körper. Es ist eine Art Dracula. Eben der, von dem meine Schwester ein gemaltes Bild in ihrem Zimmer hängen hat.
Eigentlich ist es nur eine Büste, mit einem bleichen eiförmigen Kopf mit spitzen Ohren und blutunterlaufenen Augen. Trotzdem habe ich im Traum furchtbare Angst davor, möchte wegrennen, aber kann nicht.
Der Körper bewegt sich auf mich zu, langsam und bedrohlich. Im allerletzten Moment bricht meine Starre und ich kann mich losreißen. Als ich die Tür zum Flur aufreiße, ist das eigentlich gegenüber liegende Bad scheinbar meilenweit entfernt. Ich sehe den Lichtschein des Türfensters durch einen Wald von alten staubigen Spinnweben. Um vor dem körperlosen Dracula zu fliehen, kämpfe ich mich durch. Als ich die Tür zum Bad aufmache und hineinstürze schaut mich meine Mutter erstaunt an und fragt mich, warum ich nicht im Bett bin.
Dann bin ich meistens aufgewacht oder in traumlosen Schlaf übergegangen.

E., 20 Jahre

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INTRO

Das INTRO aus Performance, Kunst und theatraler Vielfalt! Vom 18. - 26. Juni 2016 in Leipzig.

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